Fehlende Sanktionen trotz Regelverstößen – Unfair Play bei World Triathlon und seitens der Konkurrenz?

Das Regelwerk, das ignoriert wird

Beim Duathlon und Triathlon gibt es Regeln. World Triathlon stellt dazu ein (derzeit ca 200-seitiges) Regelwerk bereit. Dieses soll einen sportlichen Wettkampf ermöglichen und Verstöße werden geahndet: mit standardisierten Zeitstrafen für bestimmte Verstöße bis hin zur Disqualifikation. Eigentlich. Es sei denn, die Kampfrichter drücken beide Augen zu. So wurden die Regelverstöße meiner Konkurentinnen bei der Langdistanz Duathlon WM 2022 großzügig ignoriert – und ich enttäuscht, trotz starker Leistung, trotz Platz 3.

Ich bin stolz auf meine Leistung bei der Weltmeisterschaft. Ich bin wieder auf dem Treppchen gelandet, grandios! Ich habe die Leistung abgerufen, die ich mir zum Ziel gesetzt hatte und war im zweiten Lauf sogar die Schnellste.

Aber…

Die simple Regel: es muss die offizielle Strecke gefahren werden. Logisch.

Im Regelwerk von World Triathlon steht ganz zu Beginn im Conduct of Athletes: athletes will follow the prescribed course.

Im Falle eines Regelverstoßes steht im Appendix unter Penalties and Violations: kommt ein Athlet von der Strecke ab, dann wird er ermahnt, muss zurückfahren und dort wieder einsteigen, wo die Strecke verlassen wurde. Wird das nicht gemacht: Disqualifikation.

Trotz zweimaligem Regelverstoß keine Disqualifikation für die beiden führenden Duathletinnen.

Die beiden führenden Athletinnen, Melanie Maurer (SUI) und Lotte Claes (BEL) haben diesen Regelverstoß gleich zwei Mal begangen. Ob nun bewusst falsch gefahren wurde oder nicht, ist letzten Endes egal. Was jedoch alles andere als egal ist: beide Male wurde diese Regel von World Triathlon ignoriert und der Regelverstoß hatte keine Konsequenz für Maurer und Claes. Weder Zeitstrafe, noch Disqualifikation. Eigene Route fahren? offensichtlich kein Problem für World Triathlon.

Nun mag es sein, dass die beiden durch ihre Streckenabweichung keinen Vorteil (z.B. im Sinne einer Abkürzung) hatten. Sehr wohl aber hatten sie einen Vorteil, da sie nicht umgedreht sind/umdrehen mussten – denn das kostet wertvolle Zeit (und ist vorgeschrieben).

Und der allergrößte Vorteil davon: ihnen wurde eine Disqualifikation erspart, wie sie bei Befolgen der WT-Regeln die Konsequenz gewesen wäre.

Ein Screenshot aus Maurers Rennaufzeichnung: 2× falsch und erst auf der dritten Runde dann richtig gefahren. Auch im Livestream wurde der Fahrfehler gefilmt und kommentiert.

Die Geschichte mit dem falsch Fahren kennen wir doch schon von den World Games in Birmingham?

Richtig (siehe dazu mein Blogbeitrag). Nur dass in diesem Fall damals (regelkonform) alle falsch fahrenden Athleten ausnahmslos disqualifiziert wurden, inklusive mir. Diese Konsequenz hat World Triathlon bei der Weltmeisterschaft in Zofingen nicht gezogen. Gleicher Fehler, selbes Regelwerk, unterschiedliche Konsequenz. Warum? Darauf habe ich keine suffiziente Antwort erhalten.

World Triathlon ignoriert stundenlanges illegales Drafting

Im Windschatten Anderer zu fahren ist im (Langdistanz-) Duathlon/Triathlon verboten. Auch dazu gibt es strenge Regeln, die unter den Athleten bestens bekannt sind und in jeder Wettkampfbesprechung thematisiert werden.

Dass immer wieder Athleten die 12 m Drafting Regel verletzen, ist ein allbekanntes Problem. Aber das macht es nicht legal. Die beiden führenden Athletinnen Maurer und Claes verstießen gegen diese Regel. Immer wieder. Und so offensichtlich, dass es seitens der Livestream-Moderatoren thematisiert wurde. Vielen Zuschauen fiel auf, dass der Abstand viel zu eng ist. Runde für Runde für Runde. Die Konsequenz? Keine. Trotz mehrfachen aktiven Ansprechens der Schiedsrichter von Außenstehenden wurde kein einziges Mal eine Zeitstrafe verteilt (im Männer-Feld hingegen schon).

Und jetzt?

Ich hätte Protest einlegen können gegen das Ergebnis der Weltmeisterschaft. Doch dafür stand mir laut WT-Regelwerk nur ein 5-minütiger Zeitraum direkt nach meinem Zieleinlauf zur Verfügung. Da war ich aber erst noch eingebunden, meine Daten für die Dopingkontrolle aufnehmen zu lassen und habe Bargeld für die (gebührenpflichtige) Anfechtung zu besorgt. Als ich dann (wenige Minuten) zu spät alles beisammen hatte wurde ich belehrt, dass mein Einspruchsrecht abgelaufen sei. So stünde es in den Regeln. In übrigens genau den Regeln, die während des Rennens stundenlang ignoriert wurden. Welch Ironie.

Was ist mit der Sportlichkeit?

Melanie Maurer (1) und Lotte Claes (2) als neue (Vize-)Weltmeisterinnen sind talentierte Sportlerinnen, die beide mit herausragenden Leistungen glänzen. Dazu gratuliere ich beiden. Das erkenne ich neidlos an. Dennoch hätte ich mir mehr Sportlichkeit während des Rennens und danach gewünscht. Fair Play ist im Sport, im sportlichen Miteinander und im Wettkampf grundlegend.

Auf meine Leistungen bei der diesjährigen Duathlon Langdistanz Weltmeisterschaft bin ich stolz. Mein Ziel, das Beste aus mir rauszuholen, war erfolgreich. Und auch über meine Bronzemedaille, einen ehrenwerten Platz 3, freue ich mich sehr.

…und ich werde wiederkommen zum Powerman nach Zofingen. Denn all diese Kritik (an World Triathlon, nicht am Powerman) aus diesem Beitrag schmälert nicht die großartige Veranstaltung.

Übrigens,

ich bin bei der WM auch in einem der Kreisverkehre falsch abgebogen. Zufälligerweise war in der Situation gerade das Kamera-Motorrad bei mir und so ist nachvollziehbar, warum das passiert ist: ich habe die Geste des Streckenpostens so interpretiert, dass ich rechts abbiegen müsste. Falsch gedacht… nach ein paar Hundert Metern bin ich dann also (regelkonform) umgedreht und dort wiedereingestiegen, wo ich die Strecke verlassen habe. Keine Regeln verletzt, nur etwas Zeit verloren. Unten der Video-Ausschnitt aus dem Livestream, in dem die Moderatoren genau über diese Klausel sprechen.

📸 Titelfoto: Powerman Zofingen

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