Erfolgreiches Mitteldistanz Triathlon Debüt in Davos

Fotos: © Ingo Kutsche

Der ungeplante (um)geplante Start in Davos

Dass ich überhaupt an der Startlinie in Davos in diesem Jahr stand, war so zunächst eigentlich gar nicht geplant. Dennoch stand ich auf der Teilnehmerliste – und zwar zunächst ohne dass ich davon wusste. Absurd? Ja, schon irgendwie. Denn eigentlich wollte ich dort 2021 starten und hatte mich auch angemeldet. Es kam in dem Jahr aber zu ein paar kurzfristigen Planänderungen, sodass ich meine Anmeldung damals zurückgezogen hatte (Rückblickend betrachtet aber sehr schade, da 2021 aufgrund der Wetterbedingungen der Triathlon in Davos am selben Tag zu einem Duathlon wurde)…

Nichtsdestotrotz wurde ich vor ein paar Wochen von meinen Freunden angesprochen, wie denn meine Pläne für Davos wären und ob wir zusammen dorthin reisen würden, da sie gesehen hätten, dass ich auch auf der Teilnehmerliste stünde. Da hatten sie wohl mehr Infos als ich selbst, denn davon wusste ich noch gar nichts. Ich schaute direkt online nach und siehe da – mein Name stand auf der Liste des Elite-Frauenfeldes. Huch? Mein Startplatz von 2021 wurde wohl einfach auf 2023 übertragen, glücklicherweise hatte ich dann jetzt auch davon erfahren.

Sollte ich teilnehmen? Meine Schwimmperformance ist nicht sonderlich überzeugend, aber ich hatte irgendwie doch Lust bekommen, den Startplatz wahrzunehmen und bei der Challenge Davos im Mitteldistanz-Triathlon an den Start zu gehen, da die Strecke wirklich genial ist. Und ich sah den Triathlon als Generalprobe für die Langdistanz-Duathlon-WM, die in der Woche darauf stattfindet.

Meine Vorbereitung auf den Mitteldistanz Triathlon

Ein Triathlon startet bekanntermaßen mit Schwimmen. Und bei dieser Disziplin stand ich auch schon vor der größten Herausforderung meiner Davos-Aktion. Schwimmen. Im See. Genauer gesagt im kalten Bergsee. 1,9 Kilometer. Da hilft nur eins: üben, so gut es halt geht. Ich versuchte also in den letzten Wochen vor dem Wettkampf ein bestmögliches „Last Minute“ Schwimmtraining. Neben Lauf- und Radtraining (= ca. 15 Wochentrainingsstunden) und vor allem neben meinem Vollzeitjob schaffte ich es allerdings dann doch nur ein bis zwei Mal die Woche ins Schwimmbad zu gehen. Nicht die besten Voraussetzungen. Ein bisschen besser wurde es dann aber noch während meines zweiwöchigen Trainingslagers im August im Engadin („Urlaub“). Ich war fast stolz, dass ich 6-7 km pro Woche im Wasser war. Dass das im Vergleich zum Pensum vom Schwimmern und Triathleten lächerlich wenig ist, wurde mir dann aber auch noch klar. Aber immerhin, eine kleine Verbesserung meiner Schwimmperformance konnte ich doch noch verzeichnen.

Viel leichter fiel mir die Vorbereitung auf den Rad-Teil und das Laufen. Ich fuhr viel in den letzten Wochen und vor allem im Trainingslager habe ich Stunden über Stunden auf dem Rad verbracht und erklomm zahlreiche Alpenpässe. Bent und ich sind auch zum Flüelapass gefahren und sind im Training die Wettkampf-Strecke der Challenge Davos gefahren. 

Wettkampf-Strecke

Die Schwimm-Strecke ging mit zwei Runden durch den See in Davos, insgesamt 1,9 km. Der Start der Profis war direkt aus dem Wasser, wohingegen die Alterklassenathleten einen sogenannten Rolling Start vom Land aus hatten. 

Auf dem Rad ging es direkt steil bergauf: der See und die Wechselzone liegen quasi am Fuße des Flüelapasses, sodass der Beginn des Anstiegs nach nicht einmal zwei Minuten Fahren bereits erreicht war. Die Strecke führte den Flüelapass hoch, dessen Passhöhe auf 2383 m ü.M. liegt (Davos liegt auf ca. 1560 m ü.M.). Dann ging es auf der Gegenseite wieder den Pass hinunter zum Wendepunkt in Susch, das auf ca. 1440 m ü.M. liegt. Von dort führte die Strecke genau so wieder zurück nach Davos, sodass der Flüelapass also von beiden Seiten bezwungen wurde. Insgesamt war das dann eine Strecke von rund 55 km mit ca. 1770 Höhenmetern. 

Der Lauf war ein Rundenlauf mit 4 Runden am Landwasser entlang, insgesamt 21 km mit ca. 50 Höhenmetern, also mehr oder weniger flach. Allerdings gab es einige wechselnde Untergründe: Aphalt, Rasen, Schotter, Wanderwege. Der Zieleinlauf war im Stadion in Davos.

Der Wettkampftag

Traditionell ist das Wetter Ende August bei der Challenge Davos durchwachsen. Als Bent 2020 bereits im Neoprenanzug kurz vor seinem Start am See stand, wurde der Triathlon abgesagt, da es zu gewittern angefangen hatte. 2021 wurde wegen des Wetters aus dem Triathlon ein Duathlon. Der Wetterbericht für 2023 war wechselhaft. Am Tag vor dem Rennen und in der Nacht hatte es geregnet und gewittert. Vor dem Start wurde mehrfach empfohlen, sich ausreichend warm anzuziehen vor der Radstrecke. Doch es kam anders als befürchtet: Strahlend blauer Himmel, Sonne, Wärme. Wer hätte das gedacht? Perfekt! Der Regen begann erst nach dem Rennen (und hielt den Rest des Wochenendes an).

Schwimmen im See 

Als die Profi-Männer ihren Startschuss hatten, gingen die Profi-Frauen ins Wasser. Wir schwammen die paar Meter zur Startboje, der Countdown wurde vom Moderator heruntergezählt, der Startschuss fiel und es ging los. In einem (für mich) absurd schnellen Tempo. Gefühlt war nach einer Minute bereits eine riesige Lücke aufgegangen und ich hing einige Meter hinter dem Feld, ohne Chance, das Tempo der Gruppe mitzuschwimmen. Aber dass es so kommen würde, war mir ja schon vor dem Start klar. Womit ich aber nicht gerechnet hatte war, dass mir auf einmal etwas schwindelig wurde. Dass ich (zwar mit Neoprenanzug, aber im kalten See) ungewohnt schnell losgeschwommen war, überraschte Herzkreislaufsystem. Dabei war ich gerade erst bei der ersten Boje (von neun) angekommen. Ich hielt kurz auf zu kraulen, berappelte mich ein paar Sekunden und dann ging es weiter. Ich erinnerte mich daran zurück, wie ich mit Bent und seiner Schwester Eva im Urlaub im Stazersee 2 km geschwommen bin und wusste, dass das eigentlich kein Problem für mich sein sollte. Genau dafür hatte ich es schließlich extra geübt. Und so ging dann auch irgendwie die 1,9 km rum, aber ich war froh, als ich endlich in die Wechselzone laufen konnte.

Der Wechsel in T1 lief super und genau so, wie ich es vorher im Kopf vom Ablauf her noch einmal durchgegangen war, um hier keine wertvollen Sekunden zu verschenken.

Ich hatte während des Schwimmens meine GPS-Uhr nicht dabei, weil ich sonst schlecht aus dem Ärmel von meinem Neo gekommen wäre, daher konnte ich meine Zeit nicht einschätzen. 34:51 min ist nicht toll, aber bei weniger als 70 Schwimm-Jahres-Kilometern ist das eine Zeit, die für mich schon irgendwie ganz ok ist. Aber im Profifeld war ich damit wie erwarte die Langsamste. Mit einigen Minuten Abstand auf Platz 1 stiegt ich aufs Rad, vorbei an meinen Freunden, die mich in der Wechselzone anfeuerten, bevor sie selbst auf der olympischen Distanz bzw. Sprintdistanz gestartet sind.

Aufholjagd auf dem Rad

Auf die Radfahrt freute ich mich am meisten. Ich wusste, dass das meine große Stärke sein würde und hoffte auf eine der schnellsten Zwischenzeiten. Nach zehn Minuten auf dem Rad überholte ich am Pass bereits zum ersten Mal eine der anderen Profistarterinnen. Kilometer für Kilometer und Höhenmeter für Höhenmeter arbeitete ich mich im Feld weiter voran. Es lief super. Die Strecke über den Flüelapass ist wirklich toll und genau mein Ding. Ich bin hier schon mehrfach gefahren und kannte die Strecke und das schöne Panorama. Nach circa 45 Minuten mit gutem Druck in die Pedale tretend war ich auf der Passhöhe. Und ich hatte einige Plätze gut gemacht. Die Abfahrt fuhr ich dann eher auf Sicherheit, ich wollte nichts riskieren und man musste eh aufpassen, dass der Wind einem nicht das Vorderrad wegreißt. 

Nach der kleinen Erholung während der ca. 15 minütigen Abfahrt ging es dann in Susch den Flüelapass ein zweites Mal hoch. Das ist die etwas längere Seite des Passes, da der Wendepunkt ca. 100 m tiefer liegt als Davos. Oben am höchsten Punkt angekommen überholte ich eine Fahrerin. Ich hatte ungefähr mitgezählt aber mich wohl doch irgendwie verzählt, denn dass diese Fahrerin die zu dem Zeitpunkt Führende war, wusste ich nicht. Die Abfahrt fuhr sie dann aber doch ein paar Sekunden schneller, sodass sie mich am Fuße des Passes wieder zurücküberholte und wir quasi zeitgleich zur zweiten Wechselzone kamen. Ich schlüpfte aber etwas schneller aus meinen Radschuhen und hüpfte vom Rad, sodass ich vor ihr in die Wechselzone lief. Beim eigentlichen Wechsel verschenkte ich aber ein paar wertvolle Sekunden, da ich nicht gut mein Startnummernband umlegen konnte und dabei meine Startnummer abriss. Außerdem hatte ich vergessen, dass ich meine GPS-Uhr in meinen Schuh gelegt hatte und konnte daher wenig elegant erst beim zweiten Versuch in den Schuh schlüpfen. 

Als ich hinterher meine Zwischenzeiten sah, machte mich das besonders stolz auf meine Rad-Leistung. Für die 55 km mit ca. 1770 Höhenmetern habe ich 2:09 Stunden gebraucht und habe (mit über 7 min Abstand) die beste Rad-Zwischenzeit abgeliefert. 

21 km Laufen

Als ich mich in der Wechselzone umsah, ahnte ich meine gute Platzierung. Denn unsere beiden Räder waren die ersten beiden Räder in der Wechselzone bei den Profifrauen. Bin ich gerade wirklich unter den ersten beiden ganz vorne mit dabei? Ich war mir nicht sicher, ob ich richtig geschaut hatte und hörte auch keinen entsprechenden Kommentar vom Stadionmoderator. 

Durch meinen etwas verpatzen Wechsel ging dann eine Lücke zu der Athletin vor mir auf, Magda Nieuwoudt aus Südafrika. Während der ersten von vier ca. 5 km Runden wurde die Lücke etwas größer. Als wir dann wieder durch das Stadion liefen und auf die nächste Runde einbogen, hörte ich den Moderator, wie er mich als Zweitplatzierte ankündigte. Bent und meine Freundin Isa feuerten mich an und riefen mir vom Streckenrand zu, dass ich sogar einige Minuten Vorsprung auf Platz 3 hätte. Das beflügelte mich. Durch den wechselnden Untergrund hatte es die Strecke zwar etwas in sich, außerdem war es dann doch noch überraschend warm geworden in der Mittagssonne, aber ich wollte den Lauf genießen. Und das tat ich auch. Es war super, die ca. 21 km in solidem Tempo zu laufen, von Runde zu Runde freute ich mich schon mehr auf meinen Zieleinlauf. Ich nutze an jeder der Verpflegungsstellen die Chance, einen oder zwei Schlücke Wasser zu trinken und machte meinen Kopf und meine Arme kurz beim Vorbeilaufen am Brunnen im Kurgarten nass, um mich abzukühlen.

Mit 1:26:05 Stunden lief ich an dem Tag die drittschnellste Zeit.

Ergebnis

🥈 Nach 4:13:25 Stunden kam ich als Zweite ins Ziel, hinter Magda Nieuwoudt aus Südafrika und vor Lisa-Maria Dornauer aus Österreich.

Danke an die Organisatoren der Challenge Davos für diese tolle Veranstaltung und die Unterstützung durch  das engelhorn sports team. 

Dämmermarathon Mannheim: Platz 1 und Sub 3 Stunden!

Der Mannheimer Marathon ist ein Wettkampf, mit dem ich viele Erinnerungen verbinde. 2022 wollte ich unbedingt wieder teilnehmen. Und es hätte kaum schöner sein können.

Ort Mannheim, Deutschland
Zeit / Platz 2:57:18 / 1st

Weltmeisterin im Langdistanz-Duathlon 2021!

Wie ist die Idee für die WM-Teilnahme entstanden? Wie habe ich mich vorbereitet? Wie lief das Rennen? In diesem Beitrag teile ich meine Erlebnisse rund um den Powerman in Zofingen!

Ort Zofingen, Schweiz
Zeit / Platz 7:07.27 / 1ST